Ich lasse mich selbst gern mit Shiatsu behandeln. Am liebsten regelmäßig, 1x pro Woche. Aber leider ist das ein riesiger Luxus, den sich die wenigsten leisten (können), auch ich nicht. Oft kommt also die Frage: Wie oft soll ich denn kommen? Antwort: Es kommt ganz darauf an.
Die drei Arten, Shiatsu zu erfahren (+1)
Wenn jemand ein akutes Problem hat oder in einer schwierigen Phase ist, empfehle ich immer einen engmaschigen Einstieg für eine kurze Zeit, um die Abstände dann größer werden zu lassen. Beispiel: Du steckst mittendrin in einer Abgabe oder du bereitest dich auf eine Prüfung vor. Du hast Probleme mit deinem Partner. Du pflegst jemanden – quasi alleine, 24h. Es gibt viele Szenarien. Du hast Stress. Dein Schlaf ist schlecht, vielleicht hast du Magenprobleme, dein Körper ist verspannt und bestimmte Stellen schmerzen, irgendwas in die Richtung. Du kommst für 4-6 Termine im Abstand von 1-2 Wochen, wir schauen, was sich verändert und verlängern dann den Abstand.
Viele Leute kommen auch regelmäßig, weil es ihnen gut tut oder weil sie sich Begleitung wünschen, bei der der Körper einbezogen wird. Alle 2-6 Wochen etwa. Zur Unterstützung bei anderen Therapien, die vielleicht etwas kopflastiger sind. Um regelmäßig in Kontakt mit sich und dem Körper zu kommen. Und zur Prävention.
Die dritte Art, Shiatsu zu bekommen: Einmalig oder sporadisch. Manchmal reicht eine Einzelsitzung auch einfach. Erlebe ich auch immer wieder: Es ziept oder drückt und nach einer Behandlung ist das Thema gegessen. Und wenn mal wieder was ist, kommst du einfach wieder. Vielleicht geht’s dann wieder schnell, vielleicht gibt es mehr zu tun. Schauen wir dann. Jede Situation ist anders.
Und dann gibt es noch die Variante, die eigentlich keine eigene ist: Du kommst erstmal zum Ausprobieren. Wenn dir die Arbeit grundsätzlich zusagt, schauen wir weiter. Und wenn nicht, ist Shiatsu vielleicht nicht das Richtige. Oder vielleicht nicht mit mir das Richtige.
Was sich mit Regelmäßigkeit verändert
Shiatsu ist keine schnelle Lösung. Kein Paracetamol, was den Schmerz wegmacht. Manchmal gibt es die Situation: Der Nacken schmerzt, habe mich verlegen. Oder hier ist irgendwas seit vorgestern komisch, verdreht, fühlt sich nicht verbunden an. Dann kann es gut sein, dass nach einer Sitzung alles wieder schwingt und gut ist. Dann fühlt es sich so an, als hätte ich deinen Schmerz weggedrückt. In Wahrheit ist was anderes passiert: Dein System hat meine Impulse angenommen, sich neu zu sortieren. Den Fluss wieder hergestellt.
In den allermeisten Fällen jedoch bestehen die Themen schon länger. Im Westen reden wir von Psychosomatik: Dem Phänomen, dass Schmerzen mit dem Innenleben zu tun haben. Der Begriff hat ein Imageproblem: Als wäre das Problem eingebildet. So ist es nicht gemeint. Die neuere Schmerzforschung drückt dasselbe vielleicht so aus: Schmerz entsteht im Gehirn, nicht im Gewebe und was das Gehirn als Bedrohung bewertet, hängt von mehr ab als dem körperlichen Befund.
Und wenn es in der Hauptsache gar nicht um Körperliches geht, sondern um das Innenleben, gilt erst recht: Körperwahrnehmung, die so wichtig ist für uns – Fühlen und Spüren und Einordnen lernen – entwickelt sich mit der Zeit. Das geht nicht von heute auf morgen. Nach der fünften Sitzung liegen die meisten Klient*innen oft anders auf dem Futon. Nach der zehnten nochmal anders. Shiatsu ist ein Dialog, der Zeit braucht. Was sich verändert, ist schwer zu beschreiben, aber spürbar: Der Atem geht tiefer, der Kontakt zum eigenen Körper wird verlässlicher.
Und da ist es hilfreich, etwas dranzubleiben. Ich finde Abstände von einer Woche am allerbesten, aber ich weiß, dass das für die meisten nicht machbar ist. Zwei Wochen sind auch super. Alle vier Wochen – auch noch gut für das Gefühl von Regelmäßigkeit. Wenn die Pause zu groß ist, dann arbeiten wir nicht mehr an einem Thema. Es fühlt sich dann eher so an, als würden wir neu anfangen. Dann ist das so.
Was sagt die TCM dazu?
Die fernöstliche Medizin hat dafür ein schönes Bild: Qi (oder japanisch Ki), die Lebenskraft, die durch den Körper fließt wie Wasser durch ein Flussbett. Ein neues Flussbett gräbt sich nicht in einer Sitzung. Das braucht Zeit.
Praktische Orientierung
Zum ersten Mal: Einmal kommen und schauen, ob die Arbeit etwas mit dir macht. Die wichtigste Frage danach ist: Wie fühlt es sich für dich an?
Akute Situation: 3-5 Termine im Wochenabstand. Wenn sich danach gar nichts bewegt hat, ist Shiatsu gerade vielleicht nicht das Richtige. Oder ich nicht der Richtige. Beides ist möglich.
Regelmäßig: Irgendwo zwischen zwei und sechs Wochen. Je kürzer der Abstand, desto mehr arbeiten wir an einem Thema.
Sporadisch: Auch das hat seinen Platz. Wenn mal wieder was ist, kommst du.
Ein Gedanke zum Schluss
Meistens steckt hinter „Wie oft?“ eine andere Frage: Lohnt es sich überhaupt, anzufangen? Das kann ich nicht beantworten, das kannst nur du. Aber wenn du hier bist und das liest, weißt du die Antwort vielleicht schon.
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