Shiatsu: Massage mit Kleidung

Wer nach Shiatsu sucht und sich fragt, ob man sich dafür ausziehen muss: Nein. Einer der offenkundigsten Unterschiede zwischen Shiatsu und vielen anderen Formen der Massage ist nämlich: Shiatsu findet am bekleideten Körper statt.
Was ist Shiatsu →

In Japan, wo die Arbeit herkommt, war direkter Körperkontakt mit fremden Menschen traditionell mit starken sozialen Tabus belegt. Ebenso wie der Futon auf dem Boden ist Kleidung beim Shiatsu also ein Überbleibsel der japanischen Wurzeln: Kein Öl, kein Gleiten, kein direkter Hautkontakt. Das ist für viele, die von anderen Massageformen oder auch der Osteopathie kommen erstmal ungewohnt.
Mehr zum Unterschied von Shiatsu und Massage →

Kein Öl, kein Gleiten

Im Shiatsu arbeite ich mit Druck. Der verteilt sich etwas mehr am angezogenen Körper. Es gibt eine leichte Diffusion, die weniger eindringlich wirkt. Für viele fühlt sich das erstmal sicherer an. Nicht nur als psychologischer Effekt, sondern körperlich: Das Nervensystem registriert, dass hier niemand in die Haut eindringt.

Dazu kommt die Wärme: Es muss kein Öl erwärmt werden und es gibt keine Temperaturdifferenz. Dein Körper bleibt in seiner eigenen Temperatur. Das ist ein Unterschied, den man spürt, besonders zu Beginn einer Sitzung, wenn der Körper noch entscheidet, ob er sich einlassen will.

Und danach: Kein Abwischen, keine klebrigen Haare, keine fettigen Hände. Der Übergang in den Alltag ist pragmatisch und fühlt sich natürlicher an.

Was die Kleidung mit der Arbeit macht

Für mich als Praktiker verändert die Kleidung ebenfalls etwas. Die leichte Diffusion, die sie erzeugt, zwingt mich dazu, mich mehr aufs Spüren zu verlassen als auf anatomische Präzision. Ich weiß, wo ich bin, aber ich sehe es nicht, ich taste es nicht mit voller Direktheit ab. Diese Mini-Unschärfe ist kein Nachteil. Sie hält mich davon ab, mich in Details zu verlieren.

Shiatsu geht es nicht um die isolierte Struktur – den Muskel, die Sehne, den Nerv – sondern darum, wie alles zusammenhängt. Wie sich ein Bereich zum Rest verhält. Zum Rest des Körpers, aber auch darüber hinaus. Dafür ist ein gewisser Abstand zur anatomischen Detailarbeit hilfreich. Die Kleidung erzeugt diesen Abstand ganz automatisch.
Wie Shiatsu mit dem ganzen Körper arbeitet →

Was du anziehst

Am Besten trägst du eine lange, leichte, bequeme Hose, in der du dich gut bewegen kannst, falls ich in der Behandlung das Gefühl habe, eine Dehnung wäre jetzt angebracht. Dazu entweder ein T-Shirt oder was Langärmliges. Je weniger Gedöns desto besser (Gedöns meint: Reißverschlüsse, Knöpfe, Kapuzen…). Frische Socken, weil ich an den Füßen arbeiten werde.

Vor und nach der Sitzung kannst du dich kurz umziehen, falls du extra Klamotten mitbringst. Ich empfehle übrigens das Umziehen, denn andere Klamotten für die Behandlung anzuziehen schafft ein eigenes Setting.

Wenig Zubehör

Shiatsu braucht einen Futon, zwei Hände und einen Körper. Keine Hilfsmittel, kein Schnickschnack. Reduktion auf das Wesentliche, damit mehr Raum bleibt für das, was in der Sitzung passiert. Die Arbeit steckt im Kontakt, nicht im Zubehör.

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