Neulich berichtete mir ein Klient, dass er nach der letzten Sitzung durchgeschlafen hat, das erste Mal seit Wochen. Schlafprobleme sind ein großes Thema für ihn. Und tatsächlich wird Shiatsu immer wieder empfohlen bei Schlafstörungen. Was ist da dran und was kann Shiatsu diesbezüglich leisten?
Die Rückmeldung, die am häufigsten kommt
Dass Klient*innen besser schlafen, bekomme ich sehr häufig zurückgemeldet. Manche kommen explizit, weil Schlaf ein Thema ist. Oft ist der bessere Schlaf eher ein angenehmer Nebeneffekt. Und manchmal fällt es Leuten selbst gar nicht auf, dass sie, seit sie regelmäßig zu mir in die Praxis kommen, viel besser schlafen, bis ich sie darauf hinweise, auf das, was sie mir über ihren Schlaf erzählt haben und wie er sich offensichtlich verändert hat. Das ist dann immer ein kleiner Aha-Moment. Unter allen Rückmeldungen, die ich bekomme, ist der bessere Schlaf wahrscheinlich die häufigste.
Was im Körper passiert
Shiatsu spricht das parasympathische Nervensystem an: den Ast, der für Ruhe und Erholung zuständig ist. Zuverlässiger als in vielen anderen Formen von Körperarbeit, die auf Entspannung nicht so viel Augenmerk legen. Man kann im Shiatsu auch aktivierend arbeiten. Doch oft wird eher ruhig, langsam, mit anhaltendem Druck gearbeitet, achtsam. Die Herzrate verlangsamt sich, der Muskeltonus nimmt ab. Der Cortisolspiegel – das Hormon, das bei Dauerstress oft dauerhaft erhöht bleibt – sinkt in so einer Behandlung spürbar. Ein weiteres Maß, das in diesem Zusammenhang oft genannt wird, ist die Herzratenvariabilität: wie flexibel das Nervensystem zwischen Anspannung und Entspannung wechseln kann. Ein System, das gut hin- und herschalten kann, gilt allgemein als belastbarer. Wie fühlt sich das für Klient*innen an? „Mehr Raum“, „freier Atem“, „es fließt“ sind Rückmeldungen, die ich oft bekomme.
Kein Wellness
Das ist etwas anderes als Wellness. Es geht nicht darum, sich eine Auszeit zu gönnen, Selfcare und so. Es geht darum, ein überreiztes Nervensystem wieder zur Ruhe kommen zu lassen. Ins Spüren zu kommen, ein Gefühl bewusst wahrzunehmen, vielleicht ein Stück weit vertraut zu machen. Immer wieder bewusst damit in Kontakt zu kommen, verändert auch, wie du sonst im Alltag mit dir umgehst. Das ist etwas anderes als ein Powernap oder ein Netflix-Abend.
Für wen das besonders relevant ist
Nervensystemregulation betrifft im Grunde uns alle. Aber gerade beim Thema Schlaf gibt es Menschen, die vermutlich noch mehr davon profitieren.
Junge Eltern zum Beispiel: Der Körper ist oft in einer Art Daueralarm, selbst wenn gerade nichts passiert. Ein Ohr bleibt sozusagen immer offen. Der Sympathikus lernt in dieser Zeit, dass er ständig gebraucht wird. Etwas, das ihm gezielt sagt, es ist gerade nichts zu tun, kann da viel bewirken.
Oder Leute, die viel vor Bildschirmen sitzen und dadurch ständig künstlichem Licht ausgesetzt sind, tagsüber wie abends. Der Körper bekommt dadurch andere Signale, wann Tag und wann Nacht ist, als er eigentlich bräuchte. Die meisten kennen den Tipp aus der Schlafhygiene, die letzten Stunden vor dem ins Bett gehen keine Bildschirme mehr zu benutzen. Eine Stunde ganz ohne Screen, in der außerdem der Körper aktiv zur Ruhe kommt, ist für dieses System eine seltene Erfahrung.
Schichtarbeiter*innen kennen das Problem noch direkter: Der eigene Rhythmus und der natürliche Tag-Nacht-Wechsel laufen auseinander, manchmal über Jahre. Der Körper muss sich immer wieder neu einstellen, ohne dass er dafür viel Unterstützung bekommt. Auch hier kann Shiatsu einen Anker setzen: ein wiederkehrender Moment, in dem sich das System bewusst umschalten darf.
Und Menschen, die viel grübeln: Bei denen ist es oft weniger der Körper, der wach hält, sondern der Kopf, der nicht aufhört zu arbeiten. Shiatsu setzt genau da an, wo Gedanken sich normalerweise nicht beeinflussen lassen: im Körper. Wenn der zur Ruhe kommt, wird es für den Kopf leichter, nachzuziehen.
Das sind nur ein paar Beispiele und oft ist es eine Mischung aus verschiedenen Dingen.
Kein Allheilmittel
Trotz allem: Shiatsu ist kein Allheilmittel. Es gibt auch Menschen, die explizit ihren Schlaf verbessern wollten und denen ich mit Shiatsu allein nicht helfen konnte. Shiatsu ist kein Ersatz für Schlafmedizin und heilt keine Schlafstörungen. Im Shiatsu setze ich Impulse: für dein System, aber auch darüber hinaus, für die Art, wie du mit dir und deinem Leben umgehst. Manchmal verbessert sich etwas sehr schnell, schon nach einer Sitzung. Meistens dauert es länger. Ist dann aber auch nachhaltiger, kein schneller Fix.
Zurück zum Körper
In diesem Sinne erlebe ich im Shiatsu immer wieder, was passiert, wenn der Körper sich erlaubt, runterzufahren, obwohl äußerlich nichts „gelöst“ wurde. Und was das mit meinen Klient*innen macht. Das ist echt schön zu sehen und bestärkt mich in meiner Arbeit.
← Zurück zum BlogFragen? Einfach melden.
Oder direkt einen Termin buchen - das Erstgespräch ist kostenlos.
Jetzt buchen